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Zu lang fürs Gästebuch...

Sehr geehrter Herr Dr. Detering,

seit einigen Jahren lese ich mit Interesse Ihre Website und die darauf verlinkten Artikel und Rezensionen. Religionsgeschichte und Theologie faszinieren mich seit meiner Jugend, einer Kirche gehöre ich bis heute nicht an.
Ich kann fachlich überhaupt nicht beurteilen, wie es um die wissenschaftliche Fundierung Ihrer zum Teil als sehr kühn erscheinenden Hypothesen bestellt ist aber mir scheint, viele Ihrer Kritiker, die sich in Rezensionen und in Ihrem Gästebuch Luft machen, können das auch nicht. Umso mehr erschreckt mich die Häme und Aggressivität mancher Reaktionen. Sie erinnert mich auf unangenehme Weise daran, wie man in der ehemaligen DDR, in der ich aufgewachsen bin, unliebsamen Kritikern entgegentrat.
Die Parallelen sind wirklich unübersehbar.
Da wird die moralische Keule geschwungen, dass man kein gutwilliger und anständiger Mensch sein könne, wenn man die marxistische bzw. christliche Lehre in irgendeiner Hinsicht anzweifle.
Man wird beschuldigt, an dem Ast zu sägen, auf dem ganze Völker sitzen und für den drohenden katastrophalen Fall verantwortlich gemacht.
Beliebt ist auch der Vorwurf, dass man sich auf Argumente beziehe, die längst auf dem Müllhaufen der Geschichte; gelandet seien und somit keiner ernsthaften Betrachtung wert.
Dann gibt es die herablassende Ermahnung, man möge doch bitte nicht zu weit gehen, weiter zum Beispiel als andere, die durch ihren akademischen Grad, ihr Lebensalter oder gesellschaftliche Verdienste hoch über einem stünden.
Und schließlich fehlt auch die Anklage nicht, dass man nicht den in Frage stellen dürfe, dessen Brot man esse. Die Partei oder Kirche wird dazu aufgerufen, sich von solchen subversiven Elementen zu reinigen.
Als Gorbatschew zu Perestroika und Glasnost aufrief, war das Gesellschaftssystem, das sich kommunistisch nannte, bereits nicht mehr zu retten. An Stimmen, die ihn für den Zusammenbruch dieses Systems verantwortlich machen wollten, hat es seither nicht gefehlt. Auch nicht an Äußerungen, wonach die kommunistische Ordnung trotz aller Defizite immer noch besser war, als der nachfolgende Verlust gewohnter Werte und Strukturen. Nun mögen christliche Theologen und Kleriker angesichts einer zweitausendjährigen Geschichte verächtlich auf die vergleichsweise kurze Lebensdauer kommunistischer Ideologie und Praxis herabsehen. Aber auch sie müssen sich der Tatsache stellen, dass nicht ihre Fundamentalisten es sind, die dem Christentum einen dauerhaften Platz in den Köpfen und Herzen der Menschen sichern werden.
Was an dieser Religion sich letztlich als unverlierbar erweisen könnte, das dürfen wir vermuten und erhoffen, wissen können wir es nicht.
Wer Beiträge wie Mark Johnstons "Saving God. Religion after Idolatry" gelesen hat, mag sich verunsichert fragen, wie viel oder wenig da tatsächlich gerettet wurde. Er mag es, wenn er denn überhaupt den Mut findet, derartiges zu lesen (und seine Ablehnung nicht mit allerlei vorgeschobenen Gründen entschuldigt) betrüblich finden, was ihm da zugemutet wird und vor dem drohenden Verlust liebgewonnener Überzeugungen zurückschrecken. Das sind menschliche und verständliche Reaktionen. Aber sie sind nicht demjenigen anzulasten, der in geistiger Freiheit Äußerungen gewagt hat, die unsere bisherigen Überzeugungen antasten. Wem es damit wohler ist, solche Herausforderungen als von Satan gesteuerte Versuchungen abzutun, dem sei diese Einstellung unbenommen. Aber die Meinungs- und Gedankenfreiheit kann nicht zur Disposition stehen. Sie mag nicht der Menschheit höchstes Gut sein aber sie ist ein unverzichtbares. Die Forderung, christliche Selbst- und Querdenker mögen bitte zuallererst einmal die Kirche verlassen, um nicht als Wölfe im Schafspelz zur Bedrohung für die braven Schafe zu werden, ist nicht akzeptabel.

Wie schon gesagt, weiß ich überhaupt nicht, in welchem Maße Ihre theologischen Hypothesen, z.B. bezüglich der Person des Paulus, der historischen Realität nahe kommen. Aber darum geht es auch nicht. Sondern darum, dass - entsprechend dem Motto ihrer Website - gezweifelt und hinterfragt werden darf und soll und zwar nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich.

In diesem Sinne danke ich Ihnen für www.radikalkritik.de und wünsche Ihnen beruflich und privat weiterhin von Herzen alles Gute.

U.C.
 


Sub Pontio Pilato – Chronologie als Ausdruck frühchristlicher Substitutionstheologie

Michael Wilhelm Nordbakke, Trondheim 2008

Dem Untergang des ersten Tempels wird in der rabbinischen Literatur ein paradigmatischer Stellenwert zuerkannt. Das Wirken Jeremias fiel in die letzten vierzig Jahre vor diesem Ereignis. Dies ist möglicherweise ein Grund für die Auffassung, die Jahre zwischen 30 und 70 seien eine verhängnisvolle Zeit gewesen. Rabbinische Texte sprechen von ständig wiederkehrenden Mirakeln bedrohlicher Art. Es mag polemische Gründe gegeben haben, warum die Evangelien indirekt auf das Schicksal Jesu als Auslöser dieser 40-jährigen Krise verweisen. Nachvollziehbar, wenn auch rein spekulativ, wäre somit die Frage, ob die neutestamentliche Chronologie zu buchstäblich verstanden wird. Die Zeitangabe von vierzig Jahren könnte auch symbolisch gemeint sein...      

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Nach dem historischen Jesus fragen
- oder historisch nach Jesus fragen?

Hermann Detering, Berlin 2007
 
"Jedenfalls scheint mir die immer stärker werdende Neigung christlicher Theologen, zu meinen, immer mehr über den historischen Jesus wissen zu können, Ausdruck der allgemeinen Theologenschwäche zu sein, zum frommen Selbstbetrug zu neigen".
Muhammad Kalisch


In der Post-Bultmann-Ära ist Mode geworden, was unter kritischen Theologen einst als grundsätzlich unmöglich galt: viel über den historischen Jesus zu wissen
. Wie der Hausvater von Mt 13,52, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt, werden die modernen Hausväter von „New Quest“, „Third Quest“ und „mystischem“ Postmodernismus nicht müde, ihr Wissen über den Mann aus Nazareth verschwenderisch vor den Augen ihres Publikums auszubreiten.

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Das "Center for Inquiry Transnational" in Verbindung mit dem "Committee for the Scientific Examination of Religion (CSER)" hat die Einrichtung eines "Jesus-Projekts" angekündigt, das die Arbeit des "Jesus-Seminars" in neuer Weise fortsetzen soll. Das "Jesus Projekt" wird Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zur Klärung der Frage heranziehen, ob und inwieweit die Existenz Jesu von Nazareth als historisch gesichert betrachtet werden kann.

Geleitet wird das Unternehmen vom Vorsitzenden des CSER, R. Joseph Hoffmann. Ziel des Projekts ist, laut Hoffmann, nicht etwa der "Beweis"  der Nichtexistenz des historischen Jesus, sondern die Prüfung der Frage, ob es sich dabei um eine zuverlässige Arbeitshypothese handelt sowie die Suche nach Methoden, um auf diesem Gebiet zu wahrscheinlichen Ergebnissen zu gelangen.

Zu den Mitgliedern des Projekts gehören der renommierte Neutestamentler James M. Robinson, Herausgeber des internationalen Q Projekts und der Nag Hammadi-Texte, van Harvey, führender Philosoph und Historiker  und Emeritus der der Stanford University; Gerd Lüdemann, Professor der Universität Göttingen, Robert Price, Herausgeber des "Journal of Higher Criticism" sowie führende Bibelwissenschaftler, Altphilologen, Historiker, Archäologen und Anthropologen.

Das "Jesus Projekt" wird zweimal im Jahr als öffentliches Seminar an Universitäten der USA tagen.

Prof. R. J.  Hoffmann wies mich darauf, daß das Jesus-Project ab Juli eine eigene Webseite hat, die sich derzeit allerdings noch im Aufbau befindet. HD

www.Jesus-Project.com

 


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Radikalkritik.de


beschäftigt sich kritisch mit den historischen Wurzeln des Christentums sowie mit allgemeinen religiösen und theologischen Fragen.

Ein besonderer Schwerpunkt dieser Website besteht darin, mit den Arbeiten der sogenannten "Radikalkritiker" bekannt zu machen.
Dabei handelt es sich um Theologen und Historiker, deren Mehrzahl die These vertritt, daß die neutestamentlichen Schriften (inklusive der Paulusbriefe)  erst im zweiten nachchristlichen Jahrhundert entstanden sind, nicht jedoch im ersten - wie der Mainstream der Forschung bis heute immer noch annimmt.

"Radikalkritik"versteht sich nicht als Kritik am Christentum, sondern als kritische Untersuchung seiner historischen Grundlagen. 

Zitat:

 



 
Auf F. C. Baur folgte ein Bruno Bauer und auf Rudolf Bultmann ein Herbert Braun. Man könnte hinzufügen:
auf Schmithals ein Detering.

Martin Hengel
Studien zum Urchristentum

 

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