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Gefälschter Paulus

Zum Kommentar „Paulus ist keine Erfindung“ (Nr. 7, S. 24) von Rainer Riesner (Tübingen) über das Buch „Der gefälschte Paulus“ des Berliner Theologen Hermann Detering.

 


 Zu bewundern ist die Fairneß und der Abstand, mit denen Rainer Riesner die seltsamen Spinnereien des Herrn Detering kommentiert. Auch die „Pikanterie“, daß der Märchenerzähler Detering den Doktorhut einer evangelischen Fakultät tragen darf und daß er so gut wie sicher mit keinem Lehrzuchtverfahren seitens der berlin-branden-burgischen Kirche zu rechnen hat, kann nur ein sehr abgeklärter Kritiker so gelassen beschreiben, wie Riesner das tut. „Der gefälschte Paulus“ dürfte indessen — dem beschriebenen Inhalt nach zu urteilen — lediglich ein weiteres abenteuerliches Pamphlet eines „Theologen“ sein, der sich mit der Herstellung gefälschter Texte auszukennen scheint. Denn wer es einem (Marcion) oder mehreren anderen Christen (des zweiten Jahrhunderts) auch nur zutraut, daß sie Fälscher von Texten gewesen seien, der muß selbst mit Fälschungen beschäftigt sein und seine eigenen Tricks für leicht „umsetzbar“ halten. Welcher „Fälscher“ hätte aber jemals die Persönlichkeit des Apostels Paulus so „erfinden“ können, wie ihn der sehr gewissenhaft recherchierende und nur Paulus und seinem Dienst persönlich vertraut gewesene Arzt Lukas in der „Apostelgeschichte“ beschreibt? Da ist keine Spur von einem raffinierten „Drehbuch“ zu entdecken; keine nachträgliche „Gemeindetheologie“ zu orten, keine Harmonisierung von ambivalenten Aussagen zu beobachten. Lukas will nichts anderes als dokumentieren, in welcher souveränen und oft überraschenden Weise der auferstandene Jesus Christus nach seiner Himmelfahrt auf Erden weitergewirkt hat auch und gerade durch Paulus. Gott hat durch Paulus das Fundament legen lassen, auf dem sich das Christentum später weltweit entfaltet hat. Gerade darum wird er von Seiten der ungläubigen Theologen (von denen viele eigentlich nur kümmerliche Philosophen sind) immer wieder als der eigentlich „Schuldige“ an einem verbindlichen Christentum diffamiert, als der „Verderber der ursprünglichen Lehre“ oder gar als der „visionäre  Epileptiker“ hingestellt, dem nicht geglaubt werden solle. Der wirkliche Paulus hat — im Unterschied zu jedem „erfundenen“ — seine Berufung aber damit glaubwürdig gemacht, daß er sich von seinem Herrn in die schwersten Anfechtungen hineinnehmen und als Mensch total aufreiben ließ — im Unterschied zu allen seinen Kritikern, die sich nie schämten, sich von einer Kirche bezahlen zu lassen, deren Existenz gerade dem Zeugnis dieses Paulus (das für Luther so wichtig war!) zu verdanken ist. Es ist nicht verwunderlich, daß sich nach und nach eine Zunft von angeblich theologischen „Wissenschaftlern“ gebildet hat, die vor ihren Bücherregalen und an ihren Schreibtischen so weltfremd geworden sind, daß sie ihre eigenen Spitzfindigkeiten und Spitzbübereien anderen, die lange vor ihnen gelebt haben, ganz selbstverständlich zutrauen und zuschreiben. Weil Herr Detering aber den historischen Paulus für einen „gefälschten“, und seinen gefälschten für den „echten“ (lediglich erfundenen) Paulus hält, wiird er vermutlich lieber an seinem Schreibtisch bleiben. Als gut bezahlter evangelischer Pfarrer versteht sich. Was muß in Deutschland eigentlich noch geschehen, bis sich die evangelischen Bischöfe auf ihre Verantwortung für die Gemeinde Jesu besinnen und solche Pfarrer in die Wüste schicken?

 Leserbrief von Ludwig David Eisenlöffel, Seminardirektor i.R., 24357 Fleckeby