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Der Wahnsinn hat Methode!
Von Eta Linnemann*
Historisch-kritische Theologie, die sich bisher noch um das Image der Wissenschaftlichkeit bemühte, ist mittlerweile zu einer
Thrillerfabrikation entartet. Immer rascher folgen Veröffentlichungen aufeinander, die durch
Enthüllungsstories suggerieren, dass dieser Glaube und Gottes Wort, auf dem er beruht, alles andere als zuverlässig sind. Diese Enthüllungsstories sind ein gefundenes Fressen für die
Magazine, die sie an ihre Leserschaft weitergeben, die den christlichen Glauben höchstens noch vom Hörensagen kennt.
Zuerst lief die Verschlusssache Jesus noch von Aussenseitern inszeniert. Zum Christfest 1993 bescherte uns dann der Spiegel die These
von Burton Mack, dass Jesus ein kynischer Philosoph gewesen sei. Ihr Hintergrund - die Behauptung, dass die Logienquelle, kurz Q
genannt, das ursprüngliche Evangelium, unsere kanonischen Evangelien dagegen nur spätere Mythisierungen gewesen seien - ist wohl
mehr dem amerikanischen als dem deutschen Publikum bekannt. Dafür erhielten wir die Ludemann'schen Thesen zur Leugnung der
Auferstehung Jesu aus erster Hand, und zuletzt hat uns der Focus Anfang des Jahres das neueste Kuckucksei ins Nest des christlichen
Glaubens gelegt. Das ist die Nachricht über die Dissertation von Hermann Detering: "Der gefälschte Paulus".
Burton Mack hatte gefordert, die Geschichte des Christentums müsse neu geschrieben werden, weil sie in Widerspruch steht zu seinen
Hypothesen, dass Q das älteste Evangelium sei, ohne Passion und Auferstehung Jesu, ohne Kenntnis der Heilsbedeutung seines Todes und
ohne den Glauben an Jesus als Gottes Sohn. Detering erfüllte diese Forderung prompt, indem er die gewichtigsten Stolpersteine für diese
Q-Hypothesen - die Apostelgeschichte und die Briefe des Apostels Paulus - aus dem Weg räumte. Kurzerhand erklärte er die Person des
Paulus für eine Erfindung des zweiten Jahrhunderts und seine Briefe für Werke des Gnostikers Marcion. Auch die
Apostelgeschichte darf dann erst im zweiten Jahrhundert geschrieben sein und der Clemensbrief, der bereits Ende der neunziger Jahre des ersten Jahrhunderts
aus den Paulusbriefen zitiert, wird als Fälschung deklariert.
Auf welcher Grundlage geschieht das alles? "Das wichtigste Argument in Sachen unhistorischer Jesus besteht in der Tatsache, dass (er) ...den Zeitgenossen ausserhalb der christlichen Welt offenbar keine Silbe wert war. Niemand aus der profanen Welt bezeugt ihn, nicht einmal
jene griechischen oder römischen Schriftsteller bzw. Historiker, die dem Wundermann an vielen Stätten seines angeblichen Wirkens doch
zwangsläufig hatten begegnen müssen." (Focus 5/95 S. 146)
Für jemand, der ein wenig informiert ist über den geringen Umfang der Buchproduktion im 1. Jahrhundert und den noch weitaus
geringeren der uns davon erhaltenen Manuskripte, kann eine derartige Aussage nur absurd erscheinen. Wenn man von solchen Kriterien
Gebrauch macht, dann müsste man selbst in unserer Zeit der Bücherüberproduktion zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass ein
hekannter Theologe wie Karl Barth nie gelebt hat. Wieviele Politiker, die seine Zeitgenossen waren, haben ihn denn in ihren Biographien
erwähnt?
Von welchen zeitgenössischen Dichtern wird er genannt? Wieviele der zeitgenössischen Philosophen schreiben von ihm? Kommt er, der
doch zu dieser Zeit gelebt haben soll, in den Werken der Historiker über den Zweiten Weltkrieg vor?
Das Ganze ist doch Wahnsinn! Ja, in der Tat. Aber dieser Wahnsinn hat Methode. Leute, die an nichts mehr glauben, stellen die
Behauptung auf, dass der christliche Glaube nichts ist. Mit Hilfe dieser Kongruenzbehauptung wird von ihnen der Berechtigungsnachweis
geführt, dass sie weiter ihre Gehälter den Christen aus der Tasche ziehen können - als Pastoren in einer evangelischen Kirche oder als
Professoren theologischer Fakultäten, die ihre Existenz lediglich dem Gegebensein von Kirche verdanken.
Prof.i.R. Dr. Eta Linnemann lehrte an der Pädag. Hochschule Braunschweig und der Theolog. Fakultät der Universität Marburg. Nach ihrer
Bekehrung 1977/78 widerrief sie ihre historisch-kritischen Theorien und trat für die volle Vertrauenswürdigkeit der Bibel ein.
Postanschrift: Lindenweg 22, 26789 Leer
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