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Das Glaubensbekenntnis des Hermann Raschke 

 

Nebst einigen Bemerkungen über Hermann Raschke
als Pastor an der Grossen Kirche in Bremerhaven
von Pastor Frank Mühring

(Aus 150 Jahre Große Kirche -
Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche
 Festschrift, 2005, 18-19, Bremerhaven
)

 



Das Glaubensbekenntnis des Hermann Raschke


Wir glauben an Gott, den allmächtigen und allweisen,
den heiligen Geist
Wir glauben an Jesus Christus, den Heiland der Welt,
den Erlöser.
Wir glauben, daß die Welt das Werk des heiligen Gotteswillens ist,
das Mittel und der Weg, der zum ewigen Frieden führt.
Wir glauben, daß der Mensch der Sohn Gottes ist,
der Arbeiter an Gottes heiligem Werke,
der Diener und Helfer zur Erlösung.
Wir glauben an die Gemeinschaft aller Gläubigen,
die ohne Furcht und Lohn, als nur,
daß Gottes heiliger Wille geschehe,
ihm dienen, ihm leben und ihm sterben.
Im Lichte Gottes stehe und geschehe alles,
was wir tun und lassen,
was wir leiden und wes wir uns freuen:
unsere Arbeit, unser Leiden, unsere Freude, Geburt und Tod.
Unsere Arbeit wollen wir tun wie ein Sämann,
der sät, und Gott soll ernten.
Leiden wollen wir,
als wenn wir eine teure Last zu ihrem Ziele tragen.
Freuden wollen wir mit tiefen Dank empfangen;
Gott ist es, der in uns sich freut,
sein heiliges Werk zu fördern.
Kommt der Tod, wir wollen ihn grüßen
als den verdienten Lohn nach harter Arbeit,
als die ersehnte Ruhe nach schwerem Streit.
Endlich in Gott für ewig zur Ruhe gehen,
ist das Ziel alles Lebens in Welt und Menschen.

Amen.
 


Kaum ein Pastor hat unsere Vereinigte Protestantische Gemeinde so sehr geprägt wie Hermann Raschke (1887-1970) aus Altona. Im Volksmund nannte man ihn den „Philosophen auf der Kanzel". In seiner ersten Predigt am Sonntag Kantate des Jahres 1917 dankte
er dem Kirchenvorstand dafür, dass man „in religiösen Dingen der Rede- und Gedankenfreiheit eine Stätte bereiten" wollte. Während er in Bremerhaven vor allem als Seelsorger und Prediger wirkte, blieb das Feld der wissenschaftlichen Theologie und Philosophie seine große Leidenschaft. Seinen eigenen Gedanken folgte die Fachwelt freilich weniger. So stellte Raschke in Frage, dass Jesus Christus eine historische Figur sei. Für ihn war das Christentum die höchste Vollendung einer gnostischen Erlösungslehre. Auf Raschke geht die Idee zurück, anlässlich der 100-Jahr-Feier Bremerhavens im Jahr 1927 die Große Kirche „Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche" zu nennen.



 

Bemerkenswert war Hermann Raschkes Konfirmandenunterricht. Im ersten Jahrgang wurde etwas abseits des üblichen Curriculums das mittelalterliche Heldenepos „Parzival" von Wolfram von Eschenbach gelesen. Hermann Raschke stand in der Zeit des Dritten Reiches getreu seiner liberalen Haltung in Opposition zum Nationalsozialismus. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand und „Gemeindeführer" Anton Schumacher gelang es ihm, die Große Kirche frei vom Einfluss der „Deutschen Christen" zu halten. Nach dem Krieg verstand er es, die durch die Zerstörung von Bremerhaven-Mitte verstreute Gemeinde erneut zu sammeln. In Fragen der Wiederbewaffnung in den 5oer Jahren erwies sich der Kriegsteilnehmer des 1. Weltkrieges als radikaler Pazifist. Die Bremerhavener schätzten an ihm seinen Großmut und seine Toleranz, mit der er auch auf kirchenferne Kreise unbefangen zuging. Im Ehrenamt war Raschke „Meister vom Stuhl" in der Bremerhavener Freimaurerloge.