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Dr. Hermann Detering, Jahrgang 1953, geboren in Oldenburg, ist evangelischer Theologe, verheiratet, 4 Kinder. Nach dem Abitur Studium der Germanistik, Altphilologie und Theologie in West-Berlin, wissenschaftlicher Assistent. Von 1982 bis zur Frühpensionierung 2009 als Pastor bzw. Pfarrer in Berlin tätig. Lebt heute in der Altmark.
Promotion (1991), Thema der Dissertation: die holländische Radikalkritik, Doktorvater Prof. Walter Schmithals.
Veröffentlichungen: „Paulusbriefe ohne Paulus. Die Paulusbriefe in der holländischen Radikalkritik“, 1992.
„Der Gefälschte Paulus“, 1995.
„Falsche Zeugen. Außerchristliche Jesuszeugnisse auf dem Prüfstand“, 2011.
Betreibt seit 2000 die Webseite www.radikalkritik.de.
Verschiedene Aufsätze in Doughty’s/Price’s „The Journal of Higher Criticism“; Beiträge in Sammelbänden, über Ernst Haeckel und Kalthoff in: A. Lenz (Hrsg.): Darwin, Haeckel und die Folgen, 2006; über Bruno Bauer in, Klaus K. Kodalle (Hsg.): Bruno Bauer (1809-1882): Ein „Partisan des Weltgeistes“?, 2010; Herausgabe und Übersetzungen: „Lebt Jesus – oder hat er nur gelebt?“, 2011, „The Prolegomena of Jean Hardouin - translated by Edwin Johnson, New Edition“, 2011.
Mitglied des Committee for the Scientific Examination of Religion. Forschungsschwerpunkte: das frühe Christentum im antiken Strahlungsfeld und die christliche Pseudepigraphie.

Reaktionen, Zuschriften, Beiträge bitte an:

Dr. theol. Hermann Detering

Gästebuch

Zum Gästebuch-Archiv 2001-2010

Zu guter Letzt


Zu lang fürs Gästebuch...

Sehr geehrter Herr Dr. Detering,

seit einigen Jahren lese ich mit Interesse Ihre Website und die darauf verlinkten Artikel und Rezensionen. Religionsgeschichte und Theologie faszinieren mich seit meiner Jugend, einer Kirche gehöre ich bis heute nicht an.
Ich kann fachlich überhaupt nicht beurteilen, wie es um die wissenschaftliche Fundierung Ihrer zum Teil als sehr kühn erscheinenden Hypothesen bestellt ist aber mir scheint, viele Ihrer Kritiker, die sich in Rezensionen und in Ihrem Gästebuch Luft machen, können das auch nicht. Umso mehr erschreckt mich die Häme und Aggressivität mancher Reaktionen. Sie erinnert mich auf unangenehme Weise daran, wie man in der ehemaligen DDR, in der ich aufgewachsen bin, unliebsamen Kritikern entgegentrat.
Die Parallelen sind wirklich unübersehbar.
Da wird die moralische Keule geschwungen, dass man kein gutwilliger und anständiger Mensch sein könne, wenn man die marxistische bzw. christliche Lehre in irgendeiner Hinsicht anzweifle.
Man wird beschuldigt, an dem Ast zu sägen, auf dem ganze Völker sitzen und für den drohenden katastrophalen Fall verantwortlich gemacht.
Beliebt ist auch der Vorwurf, dass man sich auf Argumente beziehe, die längst auf dem Müllhaufen der Geschichte; gelandet seien und somit keiner ernsthaften Betrachtung wert.
Dann gibt es die herablassende Ermahnung, man möge doch bitte nicht zu weit gehen, weiter zum Beispiel als andere, die durch ihren akademischen Grad, ihr Lebensalter oder gesellschaftliche Verdienste hoch über einem stünden.
Und schließlich fehlt auch die Anklage nicht, dass man nicht den in Frage stellen dürfe, dessen Brot man esse. Die Partei oder Kirche wird dazu aufgerufen, sich von solchen subversiven Elementen zu reinigen.
Als Gorbatschew zu Perestroika und Glasnost aufrief, war das Gesellschaftssystem, das sich kommunistisch nannte, bereits nicht mehr zu retten. An Stimmen, die ihn für den Zusammenbruch dieses Systems verantwortlich machen wollten, hat es seither nicht gefehlt. Auch nicht an Äußerungen, wonach die kommunistische Ordnung trotz aller Defizite immer noch besser war, als der nachfolgende Verlust gewohnter Werte und Strukturen. Nun mögen christliche Theologen und Kleriker angesichts einer zweitausendjährigen Geschichte verächtlich auf die vergleichsweise kurze Lebensdauer kommunistischer Ideologie und Praxis herabsehen. Aber auch sie müssen sich der Tatsache stellen, dass nicht ihre Fundamentalisten es sind, die dem Christentum einen dauerhaften Platz in den Köpfen und Herzen der Menschen sichern werden.
Was an dieser Religion sich letztlich als unverlierbar erweisen könnte, das dürfen wir vermuten und erhoffen, wissen können wir es nicht.
Wer Beiträge wie Mark Johnstons "Saving God. Religion after Idolatry" gelesen hat, mag sich verunsichert fragen, wie viel oder wenig da tatsächlich gerettet wurde. Er mag es, wenn er denn überhaupt den Mut findet, derartiges zu lesen (und seine Ablehnung nicht mit allerlei vorgeschobenen Gründen entschuldigt) betrüblich finden, was ihm da zugemutet wird und vor dem drohenden Verlust liebgewonnener Überzeugungen zurückschrecken. Das sind menschliche und verständliche Reaktionen. Aber sie sind nicht demjenigen anzulasten, der in geistiger Freiheit Äußerungen gewagt hat, die unsere bisherigen Überzeugungen antasten. Wem es damit wohler ist, solche Herausforderungen als von Satan gesteuerte Versuchungen abzutun, dem sei diese Einstellung unbenommen. Aber die Meinungs- und Gedankenfreiheit kann nicht zur Disposition stehen. Sie mag nicht der Menschheit höchstes Gut sein aber sie ist ein unverzichtbares. Die Forderung, christliche Selbst- und Querdenker mögen bitte zuallererst einmal die Kirche verlassen, um nicht als Wölfe im Schafspelz zur Bedrohung für die braven Schafe zu werden, ist nicht akzeptabel.

Wie schon gesagt, weiß ich überhaupt nicht, in welchem Maße Ihre theologischen Hypothesen, z.B. bezüglich der Person des Paulus, der historischen Realität nahe kommen. Aber darum geht es auch nicht. Sondern darum, dass - entsprechend dem Motto ihrer Website - gezweifelt und hinterfragt werden darf und soll und zwar nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich.

In diesem Sinne danke ich Ihnen für www.radikalkritik.de und wünsche Ihnen beruflich und privat weiterhin von Herzen alles Gute.
U.C.
 


Zu guter Letzt:

Wie Ur-Ur-Großvater Bernhard Heinrich Bultmann-Detering die Bultmann-Stelle in Eydelstedt erwarb.